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Becken-Biologie mit Kleinstlebewesen auffrischen

In den letzten Jahren haben viele Aquarianer erkannt: Der Einfluss von Kleinstlebewesen auf die Becken-Biologie ist groß, und er wurde lange Zeit von vielen unterschätzt. Denn vor allem Copepoden, winzige Krebstiere, erfüllen viele wichtige Funktionen:

  • Sie sorgen für ein sauberes Becken, denn sie finden und fressen Futterreste und Detritus auch in den kleinsten Spalten
  • Der Nährstoff-Eintrag kann dadurch gesenkt werden
  • Auch Algen- und Bakterienfilme werden von Copepoden abgegrast
  • In der Natur sind sie zusammen mit anderem Zooplankton die Haupt-Energiequelle für Korallen (während wir dieses Defizit mit starker Beleuchtung auszugleichen versuchen)
  • Sie sind in der Natur die wichtigste Nahrungsgrundlage für viele Fische (bspw. den Mandarin)
  • Sie erhalten den Jagdtrieb unserer Tiere und sorgen für Leben im Becken

Besonders in jungen Becken sieht man oft viele Copepoden als weiße Punkte an den Scheiben sitzen, insbesondere dort, wo leichte Algenbeläge sind.

In älteren Becken sind oft deutlich weniger Copepoden vorhanden. Außerdem höre ich immer wieder von Kunden, die nur noch sehr wenige oder gar keine Copepoden mehr in ihren Becken finden oder sie praktisch komplett vernichtet haben, nachdem ein Becken „abgestürzt“ ist oder Chemiekeulen gegen Fischkrankheiten, Cyanos und andere Plagen eingesetzt wurden.

Glücklicherweise ist es gar nicht so schwer, wieder Leben in die Copepoden-Bestände zu bringen. Wenn man von Zeit zu Zeit frische Copepoden ins Becken gibt, siedeln sie sich sogar bei geeigneten Bedingungen wieder im Becken an und beginnen, sich nach wenigen Tagen zu vermehren. In jedem Fall freuen sich aber alle Beckenbewohner über die neue Gesellschaft.

Geeignete Arten sind vor allem Tisbe und Nitokra. Dabei handelt es sich um Arten, die sich im Riffaquarium wohl fühlen, am Boden leben (und damit nicht so schnell in den Abschäumer geraten) und vermehrungsfreudig sind. Diese Arten sollten mit einem besonders feinen 40µm-Sieb von dem Aufzuchtwasser getrennt werden, in dem sie verschickt werden (dieses enthält deutlich mehr Nährstoffe als unser Aquarienwasser – so werden sie zwar nachgezüchtet,  aber dieses Wasser wollen wir nicht im Becken haben). Die abgesiebten Copepoden werden dann am besten bei Dunkelheit und bei ausgeschalteter Strömung ins Becken gegeben. So siedeln sie sich am besten an. Falls ein Algenrefugium vorhanden ist, sollte ein Viertel der Copepoden hier hinein gegeben werden.

Pro 100 Liter empfehle ich einen halben Liter Copepoden als Auffrischungs-Dosis. Die Copepoden und die passenden Siebe findet Ihr im Shop von Plankton-Welt.de

In den folgenden Tagen werden viele Fische aktiver als vorher an den Steinen herum picken, und auch Korallen zeigen oft deutlich längere Polypen: Daran sehen wir, dass es dem Becken gut geht.

Tisbe sp.

Nitokra lacustris

Plankton-Siebe

 

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